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Andreas Krafft

Hoffnung funktioniert

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Andreas Krafft
Andreas Krafft
8 min

Was wäre ein Leben ohne Hoffnung?

Licht braucht man dann, wenn es dunkel ist. Ganz ähnlich ist es mit der Hoffnung. Sie ist dann essenziell, wenn wir Situationen tiefer Hilflosigkeit erleben – und keinen Ausweg mehr sehen. Bei einer schwerwiegenden Krankheit, in Zeiten familiärer Krisen oder wenn wir mit finanziellen Existenzängsten konfrontiert werden, stehen wir vor zwei Möglichkeiten: Entweder wir kapitulieren vor der Last der Ereignisse oder wir stellen uns den Herausforderungen des Lebens, schauen nach vorne und unternehmen alles, um eine positive Wende herbeizuführen. In Momenten der Niedergeschlagenheit, der Angst und Sorge erkennt man den lebensbejahenden und aufrichtenden Wert des offenen und positiven Blicks in die Zukunft.

Hoffnung lässt sich bis heute kaum wissenschaftlich erfassen.

Ist Hoffnung nicht naive Schönfärberei?

Oft werde ich gefragt, ob Hoffnung angesichts der Weltsituation voller Krisen und Katastrophen überhaupt noch angebracht ist. Die meisten Hoffnungen seien nur ein Wunschdenken, ein Wegschauen, ein Nicht-wahrhaben-Wollen der Realität. Wir sollten doch falsche Hoffnungen lieber aufgeben und realistisch bleiben. Auch wenn das Wort »Realismus« in diesem Sinn vernünftig klingt, drückt es nur die eigene Einstellung dem Leben gegenüber aus. Diese Art von »Realismus« beruht auf einer persönlichen Entscheidung. Sie bekundet ein Gefühl der Ohnmacht, aufgrund dessen wir uns nicht mehr trauen zu hoffen oder etwas zu verändern – vor lauter Angst vor schmerzhaften Enttäuschungen. Die Folgen sind Stagnation und Resignation.

Wie funktioniert Hoffnung?

Hoffnung ist zwar ein allgegenwärtiges Phänomen in unserem Leben. Trotzdem lässt sich ihre Natur und Qualität bis heute kaum erfassen. Der französische Philosoph Gabriel Marcel hielt sie für ein existenzielles Mysterium. Klar ist nur: Jede Hoffnung beginnt mit einem Wunsch, einer Sehnsucht, einem Ziel oder lediglich einer vagen Vorstellung einer besseren Zukunft. Treiber ist der Wunsch nach Gutem, Gesundheit, Wohlstand, Glück, Friede und Erfolg. Manchmal geht es um ganz kleine Wünsche, manchmal um große Lebensträume. Wonach wir uns sehnen, hängt mit unseren persönlichen Wertvorstellungen, Prioritäten und Interessen zusammen. Wir wünschen uns meistens Dinge, die uns besonders wichtig sind in Bezug auf unser eigenes Leben oder das Leben anderer Menschen. 

Geben wir oft zu früh auf?

Mit jedem Wunsch treffen wir bewusst oder unbewusst eine Entscheidung darüber, was uns im Leben wichtig ist, und bringen dann den Willen auf, uns für das Wünschenswerte einzusetzen. Damit sich aber ein Wunsch zur Hoffnung entwickeln kann und wir uns dafür engagieren, braucht es eine zweite Komponente: den Glauben, dass die Erfüllung möglich ist.

Die Crux: Sobald wir uns einreden, dass ein Wunsch nicht erfüllbar ist, beerdigen wir ihn. Aber damit vergeben wir eine wertvolle Chance. Wie oft haben wir Wünsche frühzeitig aufgegeben, nur weil wir oder andere uns eingeredet haben, es lohne sich nicht, daran zu glauben? Ob etwas möglich ist oder nicht, hängt aber selten von vermeintlichen objektiven Fakten ab. Viel wichtiger sind unsere Überzeugungen, Weltanschauungen und Willenskraft. Es ist vor allem der Glaube an das Gute in der Welt und in uns selbst, der die Hoffnung beflügelt.

Wem schenken wir Vertrauen?

Und damit kommen wir zum dritten Bestandteil von Hoffnung. Um auch in schwierigen Situationen hoffen zu können, brauchen wir Vertrauen – sei es in uns selbst, in andere Menschen oder in eine übergeordnete Instanz. Egal, ob wir Letztere als Glück, Vorsehung, Gott oder universelle positive Kraft bezeichnen. Mit diesem (Ur-)Vertrauen können wir unsere Hoffnungen behalten, selbst wenn die meisten Umstände dagegensprechen. Gestützt auf unsere Untersuchungen garantiere ich: Es lohnt sich, daran festzuhalten. Unabhängig von den Lebensumständen sind Menschen, die hoffen, gesünder, zufriedener und glücklicher als solche, die es nicht tun.

Was gibt Menschen Hoffnung?

Seit dem Jahr 2009 untersuchen meine Kollegen und ich mit dem Hoffnungsbarometer die persönlichen Hoffnungen der Menschen, die Quellen der Hoffnung sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Glück. Jahr für Jahr erhalten wir die gleichen Ergebnisse: Am meisten erhoffen sich die Menschen gute Gesundheit, eine glückliche Ehe, Familie oder Partnerschaft, Harmonie im Leben, gute und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen sowie eine sinnerfüllte Aufgabe im Leben. Diese Hoffnungen sind viel bedeutsamer und tragen mehr zu einem erfüllten Leben bei als Geld, materielle Güter, Karriere, Sicherheit und Sex. Solche Dinge – nach denen viele Menschen streben – liegen regelmäßig abgeschlagen am Ende der Wunschliste. 

Gute Beziehungen sind viel wichtiger als Geld und Karriere.

Die nächste Frage lautet: Was gibt uns die Kraft, den Glauben und das Vertrauen, dass sich unsere Hoffnungen erfüllen können? Die Ergebnisse des Hoffnungsbarometers zeigen es deutlich: Es sind an erster Stelle die Verbundenheit mit der Natur, die Unterstützung von Familie und Freunden sowie die allgemeine Erfahrung von Solidarität, Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Zudem bestärken uns ein gesundes Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie ein grundsätzliches Vertrauen in einen gütigen Gott oder eine universelle Macht der Hoffnung. Interessanterweise sind materielle Güter und Geld für die wenigsten eine bedeutsame Quelle der Hoffnung.

Wie gelingt es, Gesellschaften zu verändern?

Hoffnung ist aber nicht lediglich ein persönliches, sondern vor allem ein soziales Phänomen: Die meisten Menschen wünschen sich nicht nur ein erfülltes und glückliches Leben für sich selbst, sondern auch für ihre Familie und Freunde. Sie träumen darüber hinaus von einer grüneren, nachhaltigeren und vor allem harmonischeren Gesellschaft, die von Frieden, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Gemeinschaft gekennzeichnet ist. 

Dort, wo zwei Dinge zusammentreffen, ist die Hoffnung am stärksten: Auf der einen Seite ist das die Offenheit für Neues, für Möglichkeiten, für persönliche und gesellschaftliche Veränderungen und Lebensprojekte. Hierzu sind der Glaube und das Vertrauen an das Gelingen, eine Portion Fantasie und manchmal auch Mut notwendig, um alte Gewohnheiten und festgefahrene Pfade zu verlassen. Auf der anderen Seite brauchen wir gegenseitige Fürsorge, Solidarität, Hilfsbereitschaft sowie Verständnis, Wertschätzung und Toleranz gegenüber anderen Menschen. Diese Faktoren stärken den Glauben und das Vertrauen an das Gute und damit unsere Willenskraft und unser Engagement für ein besseres Leben und eine bessere Welt. 

Wir sind alle Hoffnungsträger

Unsere größten Hoffnungsträger sind die eigenen Eltern und Großeltern, zusammen mit historischen Persönlichkeiten wie Jesus Christus, Mahatma Gandhi, Albert Einstein, Mutter Teresa von Kalkutta, Buddha, Martin Luther King, Nelson Mandela und Henri Dunant. Allesamt sind Menschen, die über sich hinausgewachsen sind, ihr Leben einem höheren Zweck und dem Wohlergehen anderer Menschen gewidmet und dadurch in der Not Großes bewirkt haben. Sie alle haben an das Gute geglaubt, ihre Hoffnungen nicht aufgegeben und sich erfolgreich dafür eingesetzt. Das Spannende daran ist: Jeder von uns ist dazu in der Lage. Wir müssen es nur wollen.

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Unsere Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Aber unsere Firmen haben dank Innovationsgeist, Fachwissen und Beharrlichkeit sehr gute Chancen. Hoffnung macht mir zudem, dass sich der Mittelstand durch ein hohes Maß an gesellschaftlichem Engagement auszeichnet. Nicht zuletzt mein christlicher Glaube gibt mir die Kraft, täglich meinen Teil beizutragen, dass wir die Krise meistern werden.

Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin Baden-Württemberg

Die promovierte Diplom-Kauffrau engagiert sich vielseitig: etwa in einer Kirchengemeinde sowie im Förderverein und Elternbeirat von Schulen.

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Hoffnung zu haben, ist einfach, wenn das Leben planmäßig verläuft. Doch die vergangenen Monate haben uns gezeigt, wie abrupt sich unsere Realität verändern kann. Viele haben ihre Hoffnung auf zerbrechliche Dinge gesetzt. Es gibt aber eine einzigartige Kraft, die gerade in schwierigen Zeiten zum Tragen kommt - durch Frieden, Ausdauer, Hoffnung und Liebe. Eine Kraft, auf die man vertrauen kann, die Hoffnung gibt: Jesus.

Bruno Böhmer Camacho, international erfolgreicher Jazzpianist

Mit der deutsch-kubanischen Formation Klazz Brothers & Cuba Percussion gewann er zahlreiche Awards und wurde für den Grammy nominiert.

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Viele Menschen denken, dass Hoffnung etwas Schlechtes ist. Weil man Gutes erwartet und oft enttäuscht wird. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass Hoffnung etwas Positives ist. So, wie es schon der Apostel Paulus geschrieben hat: Hoffnung lässt »nicht zuschanden werden« (Bibel, Römer 5,5). Gott gibt den Menschen Hoffnung in ihre Herzen, damit sie voller Zuversicht in die Zukunft blicken können.

Heinrich Deichmann, Konzernchef von Deichmann

Seit 1999 lenkt er Europas größte Schuheinzelhandelskette.
Der Konzern beschäftigt 43 000 Mitarbeitende in dreißig Ländern.

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Wir haben oft die unausgesprochene Erwartung, dass das Leben für uns einfach und bequem sein sollte. Aber jeder Tag beweist das Gegenteil. Wir selbst sind nun einmal nicht perfekt. Und Schmerz und Ärger sind unvermeidlich. Das hat schon Jesus gesagt – aber auch, dass er die Welt überwunden hat. Und das gibt mir gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung.

Bethany Hamilton, Surferin

Die Filme »Soul Surfer« und »Unstoppable« zeigen ihre Lebensgeschichte und unter anderem, wie ein Hai ihren linken Arm abbiss. 2017 schrieb Bethany Hamilton in den Zement der »Sufer’s Hall of Fame«: »Always hope«.

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Ich schöpfe Hoffnung aus der Geschichte von Gottes Treue in meinem Leben. Blicke ich zurück, erinnere ich mich daran, dass jene Hand, die mich gestern über die Wellen trug, auch die ist, die mein Morgen hält. Jeden Tag entscheide ich mich, die Hand von Jesus zu halten und in seinem Plan für mein Leben zu bleiben: zuversichtlich, friedlich und voller Hoffnung, dass er mir den Weg weist.

Nicola McDermott, Hochspringerin

Die australische Meisterin im Hochsprung ist unterwegs zu neuen Rekorden. Daneben studierte sie Biochemie in Sydney.

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»Für jetzt bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.« Diese Kernaussage aus dem biblischen Hohelied der Liebe trägt mich durch schwere Zeiten, tut aber auch einfach gut in guten Zeiten. Ich spreche es häufig als Mantra. Es hilft mir, innerlich ruhig zu werden.

Bettina Wulff, PR-Beraterin

Die ehemalige Pressereferentin war von 2010 bis 2012 Deutschlands First Lady. Heute ist sie selbstständige PR-Beraterin. Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 engagierte sie sich als »Reformationsbotschafterin«.

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Das Wissen darum, dass die Zukunft kommt, und der Glaube daran, dass der Mensch im Wesentlichen gut ist, trägt meine Hoffnung.

Sina Trinkwalder, Sozialunternehmerin

Ursprünglich führte sie eine Werbeagentur, dann gründete sie die ökosoziale Textilfirma manomana. Für ihr Engagement als Sozialunternehmerin ist sie mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz. Auch als Autorin hat sich Sina Trinkwalder einen Namen gemacht.

Andreas Krafft

Andreas Krafft

Seit fast fünfzehn Jahren erforscht Dr. Andreas M. Krafft (55), wie und was Menschen in verschiedenen Ländern hoffen. Er wuchs in Argentinien auf und ist heute Managementberater sowie Dozent an der Universität St. Gallen, wo er das Forschungsnetzwerk des Hoffnungsbarometers leitet. Krafft ist Co-Präsident von swissfuture sowie Vorstand der Swiss Positive Psychology Association. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.